Young Classics (Band 2): W123

Vor kurzem stolperte ich über eine etwas ältere Sonderausgabe von Young Classics, einer Sonderpublikation von Delius Klasing. Das zweite Band behandelt dabei den W123 in gewohnt umfänglicher Manier: Technische Daten, Kaufberatung, Fahrberichte, Typenkunde, Wartungstipps, Interviews, Motorsport (!) und und und. Auch wird unter anderem von Hans-Jürgen Brands T-Modell mit V8-Umbau berichtet…

Mir gefallen vor allem die vielen Bilder aus den Archiven und das Gesamtkonzept, welches sich irgendwo zwischen Buch und Magazin einordnen lässt. 123er-Experten werden in diesem Schmöker unter dem Motto „kaufen, pflegen, fahren“ nicht zwingend große Erleuchtung erleben, doch allen anderen sei das kompakte Format ans Herz gelegt, wenn der Eins-Zwo-Drei entweder auf der Einkaufsliste oder aber schon in der Garage steht.

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Deal!

Es begab sich an einem Tage im Frühling 2013, dass mir bewusst wurde: Der freie Markt bietet mir keinen Stern. Jedoch erinnerte ich mich an die Leidenschaft meines Schwippschwagers, der seit Jahren engagiert im 123er Club sein Unwesen treibt und wunderschöne Benze sein Eigen nennt. Er wurde umgehend konsultiert und wartete schon nach einer Woche mit einer – wie sich herausstellen sollte – nahezu optimalen Lösung auf. Die Krönung dabei: Er schickte mir völlig unaufgefordert (aber die lebensbedrohende Notwendigkeit sehend) ein vom Club veröffentlichtes Buch zur 123er-Kaufberatung. Dieses kann ich jedem Kauf-Interessenten des „kleinen“ Sterns nur dringendst empfehlen…

Hinzu kam die gute Nachricht: Ein Clubkollege wollte seinen Fuhrpark verkleinern (wie so oft war eine Frau im Spiel…) und bot deshalb seinen „Winterwagen“ an: Einen H-gekennzeichneten `82er 230E in Petrol – mein Baujahr, übrigens. Der Wagen war einer der allerletzten der zweiten Serie, hatte also noch die Rundscheinwerfer als prägendes Stilelement im Gesicht. Installiert war ein originaler Austauschmotor vom Werk, der nur 100.000 km gelaufen war. Der Rest hatte kaum mehr als 215.000 km runter.

Eine gute Ausstattung mit beigem Interieur, verstärkter Hinterachse, Fuchs-Felgen, ABS, Anhängerkupplung, Automatik plus Drehzahlmesser (!), Colorglas, hinteren Kopfstützen, automatischer Antenne, Zentralverriegelung, Mittelarmlehne und Scheinwerferwaschanlage sprach für sich. Auf das Schiebdach musste jedoch verzichtet werden. 1982 bezahlte man für dieses Paket stolze 40.364,90 Mark.

Der Verkäufer, Pilot bei der Lufthansa, hatte die Kiste über sieben Jahre als Winterwagen bewegt, was man weder Unterboden noch Lack oder Innenraum ansah. Offenbar war der Wagen stets gepflegt worden, was eine eingehende Dokumentation der Ausgaben und Fahrleistungen nur noch untermauerte. Der flugerfahrene Besitzer war darüber hinaus höchst vertrauenserweckend, ehrlich und offen.

Eine Probefahrt ohne erkennbare Mängel folgte, wobei ich davon profitierte, dass der Stern nur einen Ort von den Hebebühnen einer mir zugänglichen Werkstatt entfernt stand. Ich konnte daher im Beisein meines allwissenden Vaters dem Benz ein wenig unters Röckchen schauen. Und obwohl man hier und da das Alter erkennen konnte gab es keinen Anlass zu Beunruhigung.

Es kam also, wie es kommen musste: Man wurde sich einig über den Preis und tauschte Geld gegen Liebe. Mit dabei waren außerdem ein paar Kleinteile, Lammfellbezüge, ein randvoller 80 Liter-Tank feinstes Super Plus sowie zwei Müllbeutel voller Schotter, die im Heck ein wenig Druck auf die winterbereiften Räder bringen sollten.

Ein Deal, den ich bisher nicht bereue. 😉 😉 😉 😉 😉 😉 😉 😉 😉 ;-)…

Der lange Weg zum Eins-Zwo-Drei

Puuuh!

Dieser Blog startet mit einem Stöhnen. Denn einen soliden 123er auf dem aktuellen Fahrzeugmarkt zu finden ist eine echte Herausforderung. Die Kisten sind in den 90ern offenbar von den meisten Besitzern als Alltagsmulis, Anhängerschlepper, Drogenkurier oder Dauerlauf-Taxis arglos verheizt worden. Eine gesunde und erhaltenswerte Substanz findet sich daher – trotz eines schier endlosen Angebots bei mobile.de und Konsorten – ähnlich häufig wie der heilige Gral. Ich hab´s trotzdem versucht.

Doch zunächst eine Rückblende: Ich fahre seit vielen Jahren Klassiker, auch und vor allem im Alltag. Mein MGB GT war dafür beispielsweise eine echte Bereicherung – und 70er Guzzis bringen mich auch heute noch erfolgreich von A nach B. Der schnöde Anspruch des Alltags sowie finanzielle Sparzwänge führten jedoch dazu, dass ich auch in Allerweltskisten unterwegs war. Spätestens Ende 2012 war mir das aber völlig zu wider. Plastik-Bullshit, Elektrik-Nonsens und generelle Charakterschwäche nehme ich der automobilen Moderne echt übel. Ford Fiesta must die!!!

Bei der Sondierung des Marktes kam ich schnell auf einen Nenner. Ford wäre wegen der Familientradition eine echte Option. Granni und Co. sind jedoch nicht nach meinem Geschmack und alle (grandiosen) M-Generationen sind in guter Qualität kaum mehr auffindbar oder schwachbrüstig. Opel geht gar nicht. BMW? Nein, das ist entweder zu viel 80s-Style (erster 3er/5er) oder in Form eines 02ers kaum noch bezahlbar. Ich blieb kurz am Shiguli hängen. Der Italo-Russe konnte mich aber trotz unbestreitbaren Charmes nicht final überzeugen. Alle anderen Gurken fielen entweder sofort durchs Style- bzw. Kosten-Raster (ja, ich hätte nichts gegen einen XJS…). Oder waren nicht alltagstauglich. Bliebe noch Mercedes? Ähm, ja. 123? Jaaa, das isses! Solide, komfortabel, mit breitem Angebot, unzähligen Szene-Profis, zeitlosem Design, viel Platz, relativ moderner Technik, genügend Leistung für lange Strecken, sicher und bezahlbar… Was will man mehr?

Der Plan war also gefasst: Ein 1-2-3 für den Alltag muss her. Für Sommer wie Winter. Supermarkt und Norwegen-Trip. Absolutes Muss: Automatik, Schiebedach, gute Substanz, 230er Einspritzer (Preis-Leistung und so…). Und bloß kein Distel-Ton! Das klang machbar. Da ich die Coupés an sich toll fand, nach einer kurzen Phase des In-mich-gehens jedoch von der Liste strich, bleiben noch Limo und T-Modell. Letzteres war allein aus Budgetgründen keine Option. Blieb der klassische 4-Türer, welcher sich im Fall der Fälle auch als Familienpanzer beweisen könnte (man weiß ja nie) und nicht nur von Bildern früherer Fahrschul-Literatur bekannt war.

Die Suche begann im Netz, bei Autobörsen, Ebay und lokalen Händlern, derer es in Berlin nach wie vor genug gibt. Schnell trieb ich mich deshalb auf verunkrauteten Schotterplätzen am Stadtrand herum, die durch dreckige, träge im Wind flatternden Castrol-Wimpeln und auf Europaletten gestapelten Anlassern einen ganz eigenen Charme entwickelten. Ums kurz zu machen: Seriös ist anders.

Ein paar konkrete Eindrucke möchte ich exemplarisch erwähnen: Zunächst der weiße Stern. Ein 230E mit perfekter blauer Ausstattung aus – ja, man glaubt es nicht!!! – „ersta Hand, Alta!“. Ich sag mal nix. Nach Jahren des Stillstands wurde die Kiste von drei Jungs wieder fit gemacht. Auf den ersten Blick war alles gut. Jedoch hatte der Wagen nicht nur teilweise neuen Lack, sondern auch eine zweite Haut: Die hinteren Kotflügel waren einfach über die rostigen Originale gebraten. Löcher in der Karosserie wurden dilettantisch zugebratzelt. Als man mir dann in der ersten Preisverhandlung am Telefon sofort 1.500 € entgegen kam wurde das Ganze abgebrochen.

Ein weiterer Kandidat stand beim markenfremden Händler und entpuppte sich – ganz im Gegensatz zur Anzeige – als Grotte: Standschäden, heruntergerittenes und gerissenes Cockpit, verbastelter Elektrik, Moos auf dem Blech… Nein, die Kiste war einem Händler unwürdig.

Einen Versuch wert war der englisch-rote 230E, den es in Falkensee zu besichtigen gab. Tolle Farbe, optisch genial, jedoch mit mächtigen Macken im Inneren der Automatik und mit zu viel, verdächtig spachtelig wirkendem Neu-Lack an markanten Stellen. Auch hier blieb nur der Weg nach Hause. Vom zitronengelben Spandauer, dessen Endschalldämpfer sich beim ersten Tritt aufs Gaspedal mit einem gewaltigen Knall flammenspeiend in viel Rauch auflöste werde ich gar nicht erst weiter berichten…

Die Quintessenz von drei Monaten intensiver Suche war erschreckend. Murx hier wie da, keine echte Option. Nirgends. Bis mir ein Bekannter einen hilfreichen Tipp gab…